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«Architecture of Symmetry» – Neues statt Nachahmung

Von der Imitation «moderner Klassiker» und dem Streben nach neuen Formenwelten

 

Text: Thomas Pukljak & Elias Baumgarten
Video & Bilder: Thomas Pukljak

 

Betritt man eine grosse Konzerthalle irgendwo auf dieser Welt, gleichgültig, ob nun in Oslo oder Tokio, in Hamburg oder Sapporo, so ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie Reminiszenzen an die Scharoun`sche Philharmonie in Berlin weckt. Überall imitieren Architekten und Ingenieure, teils auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Auftraggeber wie etwa Jean Nouvel in Kopenhagen, deren weinbergartige Raumkonfiguration. Axel Sowa, der an der RWTH Aachen zum Mimesisbegriff forscht, fragt in der Dezemberausgabe der archithese vor dem Hintergrund des Metathemas «Tradition, Adaption, Innovation» nach den Gründen dieser regen «Kopiertätigkeit» und versucht klären, wieso, aufgrund welcher architektonischer Qualität, Scharouns Saal zu einem «modernen Klassiker» avanciert ist, der offensichtlich der Aneignung und Nachahmung offensteht.

Eine gänzlich andere Herangehensweise findet sich beim Entwurf einer Konzerthalle von Thomas Pukljak, den er im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Universität Innsbruck entwickelt hat. Statt auf die Reproduktion bewährter Raumkonfiguration, setzt er auf die vertiefte Beschäftigung mit Symmetrie und deren visuellen Effekten, um, in avantgardistischer Tradition, diskontinuierlich neue Architektur entstehen zu lassen. Dabei hat Thomas Pukljak einen mit gestalterischen Mitteln artikulierten Beitrag zum aktuellen Diskurs um Formalismus, Ästhetik und die Morphogenese als autonomen Akt im Sinn. Für archithese hat er selbst sein Projekt und seine Entwurfsmethode wie folgt beschrieben.

 

Thomas Pukljak: «Symmetrie und der durch sie erzeugte visuelle Effekt haben seit jeher einen festen Platz in der Architektur. Meine Masterarbeit, am Institut für Städtebau in Innsbruck entstanden, soll nicht allein als eine Abhandlung dieser Begrifflichkeiten verstanden werden, sondern vielmehr als ein theoretischer und gestalterischer Beitrag zu einem aktuellen Diskurs unserer Disziplin: Die klaren Tendenzen in Richtung Formalismus, Ästhetik, das als autonomer Akt gesehene Generieren von Form, Evolution und das Streben von Architektur nach Proportion und Schönheit sind ihre Themen.

Aus der Herangehensweise entwickelt sich ein dichtes theoretisches Gewebe, das sich aus Begrifflichkeiten wie «Object-Oriented Philosophy», «Architecture as a Self-Referential Sign», «Vital Beauty» und «Aesthetic Values» zusammensetzt. Dabei wird aus dem ausgewählten Kontext eine schlüssige und doch spekulative Methoden hergeleitet, welche sich mehr mit einer «Architektur der Symmetrie», als mit blosser «Symmetrie in der Architektur» beschäftigt. Aus dieser Arbeitsweise wurde schlussendlich ein exzessives Projekt, das in einen Wettbewerbsbeitrag zum Haus der Musik in Innsbruck mündete und ein alteriertes, neues Verständnis von Kontext und Architektur zeigt.»

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archithese 3.2000

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