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Die Misere der Baugesetzgebung

Das schlanke Büchlein Baugesetze formen. Architektur und Raumplanung in der Schweiz von Gregory Grämiger widmet sich der aktuellen rechtlichen und planerischen Situation in der Schweiz – ein Thema, das nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Raumplanungsgesetzes-Revisionen Brisanz besitzt und wieder in den Fokus der Architekturschaffenden rücken sollte.

Text: Benno Agreiter – 29.6.2018
Foto: Julian Bruns

Kontextspezifische Zonen
Gregory Grämiger jagt uns mit seiner Arbeit im Eiltempo durch das Schweizer Planungs- und Baurecht. Die Publikation zeigt auf, wie die schweizerische Baugesetzgebung entstand und welche überholten Prämissen sie noch heute verfolgt. In Fallstudien wird einerseits eine Synopsis solcher Anachronismen zwischen heutigen Bauaufgaben und veralteter Gesetzeslage aufgezeigt, andererseits werden neue Herangehensweisen und Potentiale für eine zeitgemässe Regulierung erörtert. Der Autor entwirft zudem erste Lösungsansätze und entwickelt Ideen für ein neues Instrumentarium. Dabei wird die Frage aufgeworfen, weshalb erprobte und zielgerichtete Methoden der Kernzonen- und Sondernutzungsplanung nicht in die generelle Nutzungsplanung einfliessen können, sondern lediglich in Ausnahmefällen angewendet werden. In diesem Zug wird vorgeschlagen, das abstrakte Wesen des Zonenplans um einen neuen, kontextspezifische Zonentyp zu bereichern. Neben einem nachvollziehbaren Namen mit Ortsbezug, soll in diesem, ausgehend vom Bestand, ein konkretes räumliches Ziel definiert werden und damit massgeschneiderte Regulierungen ermöglichen.

Aufruf zum Einmischen
Das Buch ist spannend und unterhaltsam geschrieben, anschaulich illustriert und gibt einen guten Eindruck über den dringenden Reformbedarf der Raumplanung. Die Architektenschaft wird dazu aufgerufen, sich wieder aktiv und kreativ in die Formulierung neuer Baugesetze einzubringen, statt sich über diese zu beklagen. Die pointierte Auseinandersetzung mit Beispielen, die von Raumplanung über Städtebau bis zur Architektur reichen, versteht sich daher als Diskurseröffner, der zum Weiterdenken anregt. Konsequent lädt die zugehörige Webseite baugesetze-formen.chzum Mitmachen ein. 

Es gibt Diskussionsbedarf
Die jüngst erschienene Publikation ist das Resultat des fünften BSA-Forschungsstipendiums. Dies wird alle zwei Jahre an junge Architekten zur Förderung von entwurfsbezogenen Forschungsarbeiten vergeben. Die Wahl des BSA für dieses Thema verdeutlicht ihren Bedarf einer ausführlichen Diskussion über zeitgemässe Regulierungen und Gesetzgebungen. Das Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, denen die Baukultur am Herzen liegt.

 

Gregory Grämiger, Baugesetze formen. Architektur und Raumplanung in der Schweiz ist im gta Verlag erschienen.

 

> archithese kontext: Beim Wohnungsbau-Symposium (gegen) die Norm diskutierten sechs Referenten über den Einfluss von Normen auf heutige Wohnformen. Im Film können Sie den Abend noch einmal erleben.

> Die aktuelle Wohnungsbauausgabe der archithese 2.2018 stellt Fragen nach den Bedürfnissen und Anforderungen der Bewohner in Zeiten von Überregulierung und Normierung.

 

Unsere Empfehlung

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