Die aktuellen Hefte: 1.2026 und 2.2026
Zeitgleich erscheinen in diesem Frühjahr archithese 1.2026 Swiss Performance und archithese 2.2026 Materialität im Wandel – Roger Boltshauser unter dem übergeordneten Thema der performing Swiss architects. Abonnement*innen werden beide Ausgaben zeitgleich zugesandt. Für alle anderen sind die Hefte auch einzeln im Buchhandel oder Onlineshop erhältlich.
Wir wünschen viel Freude beim Lesen!
Die Redaktion
archithese 1.2026 Swiss Performance
Auch dieses Jahr zeigen wir wieder eine Zusammenstellung an bemerkenswerten Projekten, die im Vorjahr von helvetischen Architekt*innen in der Schweiz und im Ausland fertiggestellt worden sind. Wie jedes Jahr fällt uns diese Auswahl nicht leicht. Sie ist ein Abwägen zwischen persönlichen Präferenzen und nationaler respektive internationaler Relevanz. Zudem sind uns der Blick über die Deutschschweiz hinaus sowie das Repräsentieren jüngerer Büros wichtig – Herausforderungen, vor denen wir jedes Jahr aufs Neue stehen, die aber gleichermassen auch Chancen sind.
Erstmals hat die vorliegende Ausgabe anderthalbmal soviel Inhalt wie üblich. Insgesamt versammeln wir in der diesjährigen Swiss Performance 22 Projekte – von Neubauten bis Umbauten, von Hochhäusern bis Studio-Apartments, von grossmassstäblichen Infrastrukturprojekten bis hin zu Kunstinstallationen. Eine weitere Besonderheit ist das gleichzeitige Erscheinen dieser ersten mit der zweiten Ausgabe: archithese 2.2026 – Materialität im Wandel, die in Kooperation mit Roger Boltshauser und seiner Professur an der ETH Zürich entstand. In Bezugnahme auf das übergeordnete Thema der performing Swiss architects werden aktuelle Einblicke in die Lehmbau-Forschung der Professur und des Büros Boltshauser Architekten gegeben. Dieses Heft bildet gemeinsam mit der Swiss Performance ein den aktuellen Tendenzen im Schweizer Architekturdiskurs gewidmetes Package.
Um einen Ausblick auf das restliche archithese-Jahr zu werfen, seien noch kurz die zwei nachfolgenden Ausgaben dieses Jahres erwähnt. Heft 3 wird sich dem Thema Genossenschaftswohnen in der Schweiz widmen: Was leisten Genossenschaften? Wo liegen die Chancen, möglicherweise aber auch die Risiken dieses Modells? archithese thematisiert Geschichte und Gegenwart der spekulationsentzogenen Wohnungswirtschaft. Mit Heft 4 unternehmen wir eine Reise nach Dänemark. Das Land hat in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle – wie äussert sich das aber in der Architektur? Wie reagieren dänische Architekt*innen auf die Herausforderungen unserer Zeit? Das Länderheft bildet traditionell den Abschluss des archithese-Jahres.
> Die aktuelle archithese 1.2026 Swiss Performance ist im Onlineshop erhältlich.
archithese 2.2026 Materialität im Wandel – Roger Boltshauser
Bereits seit Jahrtausenden wird mit Lehm gebaut, und heute wird vielerorts verstärkt an einer zeitgemässen Handhabung des Materials geforscht. So neben der Schweiz beispielsweise auch in Österreich, Deutschland, Belgien und schon seit Langem in Frankreich. In dieser Ausgabe dokumentieren Roger Boltshauser und sein Team von der ETH Zürich ihre Sichtweise auf aktuelle Themen rund um das Bauen mit Lehm. Sie geben uns umfassende Einblicke in ihre Denk- und Arbeitswerkstatt. Zwischen 2004 und 2008 beschäftigte sich Roger Boltshauser bei der Planung und Realisierung des Wohnhauses von Martin Rauch intensiv mit dem Baumaterial Lehm. Seit 2018 als Dozent und ab 2024 als Ordentlicher Professor für Architektur und regenerierbare Materialien, forscht und lehrt Roger Boltshauser inzwischen an der ETH Zürich. Angesichts des Klimawandels und insbesondere der heisser werdenden Sommermonate sind die bauphysikalischen Eigenschaften von Lehm überaus interessant: Er besitzt thermische Speichermasse und Absorptionsfähigkeit und bietet die Chance auf eine technikreduzierte Bauweise –, das heisst, mit ihm lässt sich ein gutes und gleichzeitig stark CO2-reduziertes Raumklima realisieren. Auch im Schall- und Brandschutz verfügt Lehm über sehr gute Eigenschaften. Zudem ist er oft vor Ort in brauchbarem Mischverhältnis vorhanden; manchmal muss je nach vorgefundener Qualität zur Steigerung der Tragfähigkeit noch Sand oder Ton zugeschlagen werden. Dieser alte Baustoff, der doch auch eine endliche Ressource darstellt, kann zum grossen Teil immer wieder dem Ressourcenkreislauf zugeführt werden und ist somit nicht zuletzt in ökologischer und ökonomischer Hinsicht interessant.
Lehm ist dabei nur ein Ausgangspunkt – und nicht immer wird das Ideal erreicht. All diese Themen fordern uns dazu heraus, unsere sich fast ins Selbstverständliche verfestigten Ansprüche an Komfort und ästhetische Glaubenssätze grundlegend zu hinterfragen und zu überdenken.
Erst wenn Baumaterial nach Ablauf seiner Lebensdauer sortenrein dem Kreislauf zugeführt werden kann, kann auch wieder ressourcenschonend Neues entstehen. Und das sieht dann auch anders aus. Ein sich wandelndes Verständnis und Bedürfnis, was gute Architektur für unsere Umwelt und für uns alle bedeutet, führt zu einer neuen Ästhetik. Lehm besitzt zudem einen schönen Nebeneffekt: Weil seine Ökobilanz viel vorteilhafter ausfällt, jedoch seine Tragfähigkeit schlechter ist als die von Beton, zwingt das Bauen mit Lehm die Entwerfenden auch (wieder) zu mehr Struktur und Tektonik. Wir alle sind aufgefordert, das Denkbare und das Lebbare gründlicher voneinander zu unterscheiden und damit zu beginnen, unsere grossen Widerstände zum längst nötigen Strukturwandel – zumindest ansatzweise –aufzugeben.
Der Begriff «Hybridkonstruktion» wird heute widersprüchlich verwendet: einerseits für Bauteile, bei denen heterogene Materialien untrennbar zusammengefügt sind und die später nicht mehr sortenrein getrennt werden können. Andererseits wird damit ein Verbund verschiedener Materialien bezeichnet, die im Zusammenspiel eine bessere Performance erreichen, später jedoch leicht wieder sortenrein getrennt werden können. Damit wird eine bessere Ökobilanz respektive ein sinnvollerer Materialkreislauf erreicht. Dieses Thema interessiert Roger Bolthauser und sein Team – in der Forschung ebenso wie in der Praxis.



