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Das Besondere im Banalen

Philipp Schaerer beschäftigt sich in seiner Arbeit immer wieder mit der bildlichen Repräsentation von Architektur. Themen der Abstraktion und Verfremdung stehen nun im Zentrum seines Beitrags an der Architekturbiennale Chicago.

 

Text: Philipp Schaerer – 16.10.2017

 

Was stellen Sie in Chicago aus?

Es ist eine Bildarbeit bestehend aus 14 Bildern. Sie stützt sich auf Fragmente anonymer und verborgener Architektur aus dem Grossraum Chicago. Die Bilder zeigen abstrakte, flächige Bildfiguren, die trotz ihres fotografischen Ursprungs mehr den freieren Medien wie der Zeichnung oder der Malerei zugewandt zu sein scheinen. Alle Bilder basieren auf Luftaufnahmen von Chicago – Bildminiaturen von Dachaufsichten, die in der Folge grossflächig aufbereitet wurden. Freigestellt und von ihrem Kontext gelöst, entbinden sie sich von ihrer räumlichen Verankerung und werden zu rein zweidimensionalen Bildobjekten. Das Banale steht hier im Vordergrund. Es sind Fragmente von Architektur, die wenig mit «Design» zu tun haben und eher den Gestaltungskräften von Witterung und Zeit unterworfen sind – und nicht dem Gestaltungsdrang des Architekten.

 

Was hat Ihr Exponat mit dem Motto Make New History zu tun?

Die Bilder arbeiten mit vorgefundenem Material und knüpfen an Bestehendes an. Doch werden hier nicht existierende Elemente neu arrangiert und miteinander verwoben, sondern mehr unsere sich stetig wandelnde Sicht auf die Welt wie auch auf die Architektur dargelegt. Die digitale Erschliessung von Orten und Landschaften nimmt zweifelsohne zu. Es lassen sich fern entlegene Orte einsehen und virtuelle Standpunkte einnehmen, die in der materiellen körperbezogenen Welt nur schwer umzusetzen sind. Gebaute Architektur wird sich nicht mehr nur in der Vertikalen zur Strasse hin zeigen, sondern sich zusehends auch gegenüber der Erschliessung, das heisst von oben artikulieren. Aufsichten werden zu Ansichten. So auch bei der in Chicago gezeigten Arbeit: Sie verknüpft bestehende und wenig einsehbare Fragmente von Architektur mit der neuen erweiterten Sichtweise und portiert die in ihrem Wesen und Dasein noch prä-digitalen, schlafenden «Dachflächen-Dinosaurier» ins neue Zeitalter.

 

Wie steht dies im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit im Büro?

Ich bin kein klassisch bauender Architekt. Ich beschäftige mich mehr mit der bildlichen Repräsentation von Architektur. Meine Arbeiten bedienen sich meist der angebotenen Freiheit flächiger Abbildungsmethoden; es sind Bildkonstruktionen, die ihrer eigenen Logik folgen und die mal vordergründig den optischen Regeln der Fotografie folgen, sich dann aber verweigern und abstrakte Zweidimensionalität hervorrufen. Auch die für Chicago entstandene Arbeit reiht sich hier ein.

 

Was nehmen Sie von der Chicago-Biennale für Ihre zukünftige Arbeit mit?

Es ist vor allem der Austausch mit den anderen Teilnehmern. Besonders die Begegnung mit Keith Krumwiede und dessen bildsatirischen Beitrag Visions of Another America habe ich sehr geschätzt. Auch haben sich einzelne Kaufinteressenten gemeldet, was mich natürlich freut.

 

> Philipp Schaerers Serie Bildbauten war 2016 in der Galerie BALTSprojects zu sehen. Frida Grahn besuchte die Ausstellung.

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