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Der Mann im Glashaus

Bis heute ist Philip Johnson der bekannteste queere Architekt. Er war der erste, der sich geoutet hat und eine der prägendsten Gestalten der Nachkriegsjahrzehnte. Sein Schaffen hat vielfältige Phasen von der Moderne über die Postmoderne bis zum Dekonstruktivismus durchlaufen. Gerne hätten wir ihn daher im Juni im Zusammenhang mit der Queer-archithese als Ikone der LSBT*QI+ Community gefeiert – wäre da nicht eine problematische Vergangenheit, die bis heute Schatten auf ihn wirft. archithese-Chefredaktor Jørg Himmelreich durfte mit Jörg Biesler für den WDR zum 15. Todestag über die vielen Facetten von Philip Johnson reflektieren.

 

Text: Jørg Himmelreich – 28.5.2020

 

Doyen und Enfant terrible
Philip Johnson (1906–2005) war der bekannteste Architekt seiner Generation und wurde als erster mit dem damals neuen Pritzker-Preis ausgezeichnet. In fast jeder US-amerikanischen Grossstadt hat er Gebäude errichtet – Hochhäuser, Kapellen, Plätze und Privathäuser. Seine ikonische gläserne Villa in New Canaan in New York ist gar eine der bekanntesten Bauten der Nachkriegsmoderne überhaupt. Zudem lieferte Johnson wichtige Beiträge zur Architekturtheorie und war ein Förderer junger Talente. Dass er bei ihnen auch ab und ein Konzept aufgriff und für seine eigenen Werke adaptierte, brachte ihm mitunter den Vorwurf ein, keine eigenen Ideen zu haben – so mokierte sich zumindest Ludwig Mies über Johnson, der zeitweise in seinem Büro gearbeitet hatte. Für jemanden, der wenig eigene Ideen hatte, sprudelt das Werk von Johnson jedoch von Kreativität und bietet viel Abwechslung. Er ist einer der wenigen Architekten, der sich kontinuierlich neu erfand und alternative Wege testete.

 

Kritische Reflexionen
Zu seinem fünfzehnten Todestag erinnerte Jörg Biesler an das Multitalent. architheses Chefredaktor durfte für einen Radiobeitrag im WDR Erzählungen und Meinungen beisteuern. Dabei kam auch Johnsons unrühmliche Vergangenheit als begeisterter Nationalsozialist zur Sprache. Ein schwieriges Kapitel, das bei einer Rezeption von Johnsons Werk nicht ausgeklammert werden darf. Hören Sie das Interview auf der Seite des WDRs und stimmen Sie sich damit bereits ein auf die Queer-Ausgabe der archithese, die am 1. Juni 2020 erscheint.

 

> Im Juni 2020 ist archithese out, loud und proud! Feiern Sie mit uns die Pride in der Architektur.

> Marc Angélil schrieb einen kritischen Nachruf für Philip Johnson in archithese 2.2005.

> Mit einer Unterschriftenaktion half archithese die Entstellung von Johnsons ikonischem AT&T Building in New York zu verhindern.

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archithese 2.2020

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