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Category Maker?

Matteo Thun entwarf das Waldhotel auf dem Bürgenstock, das als Herzstück des (neuen) Resorts gilt. Es beherbergt ein medizinisches Kompetenzzentrum, das Gäste, Reha-Patienten und eine ambulante Kundschaft betreut – manche sprechen gar von einer neuen Kategorie unter den Gesundheits- und Wellnessbauten.

 

Text: Manuel Pestalozzi – 15.12.2017
Bilder © Bürgenstock Hotels AG

 

Sonnenseiten
Der Neubau markiert das östliche Ende der Gebäudegruppe, aus der sich das Resort zusammensetzt. Auf der Nordseite grenzt er an die Strasse, die als Promenade fast ohne Gefälle zum historischen Palace Hotel führt und anschliessend zum neuen Bürgenstock Hotel und der Standseilbahn zum Vierwaldstättersee hinab. Die Vorfahrt und die Rezeption auf der Südseite liegen sieben Geschosse tiefer. Dazwischen sind ausgedehnte Behandlungs- und Therapiebereiche sowie Räume für die Gäste und Rehabilitierenden angeordnet. Es stehen 160 Zimmer und Suiten zwischen 42 und 150 Quadratmeter zur Verfügung, von denen 23 speziell auf die Betreuung von Patienten aus dem Bereich der muskuloskelettalen, internistisch-onkologischen und psychosomatisch-sozialmedizinischen Rehabilitation ausgerichtet wurden. Zwölf Betten sind für stationäre Patienten Nidwaldens vorgesehen und stehen auf der kantonalen Spitalliste.

 

Neue Kombination
Das Waldhotel ist eine moderne Variante des Kurhauses mit einem direkten Anschluss an das Spitalwesen und dessen Leistungsauftrag. Zur Eröffnung am 14. Januar 2017 erinnerte Bruno H. Schöpfer, Managing Director der Bürgenstock Selection an die lange, fast zehn Jahre dauernde Entwicklungszeit dieser Idee. Sie soll in den Zwischensaisons für Konstanz im Betrieb sorgen und hat das Potenzial, zu einem «Category Maker» zu werden.

 

In die Landschaft eingepasst
Die Architektur erhält ihren Charakter durch die besondere Lage in der Hangflanke. Zurückgetreppt und durch vertikale «Canyons» in Teilbereiche gegliedert, verschmilzt die Südseite mit der Umgebung. Eine Fassade aus Steinkörben und vorgehängte, pergolaartige Strukturen aus Lärchenholz vermitteln eine Nähe zur Natur und bewirkt ein kleinteiliges Erscheinungsbild. Grosse Terrassen dienen als Kräutergärten. Die Aufenthalts- und Behandlungsräume entlang der Fassade werden durch rückwärtige Korridorfluchten erschlossen, die Vertikalerschliessung erfolgt tiefer im Hang und ist umgeben von «Backoffice»-Räumen, die geschätzte 50 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen.

 

Vorbild aus der Literatur
Matteo Thun wurde direkt mit diesem Projekt beauftragt, da er sich bereits intensiv und erfolgreich mit Bauaufgaben auseinandersetzte, welche Wellnessanliegen mit Klinikfunktionen kombinieren. Am Pressanlass zur Einweihung sprach er von einer «Botanischen Architektur», die auf dem Bürgenstock verwirklicht werden konnte. Als ideelles Vorbild dienten ihm bei der Planung und der Umsetzung die «sechs Vorschläge für das nächste Millennium» des italienischen Dichters Italo Calvino aus den 1980er-Jahren: Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Sichtbarkeit, Vielfalt und Kohärenz. Hinzu kam das Prinzip der «drei Nullen»: Damit ist gemeint, dass versucht wurde die Materialien aus der möglichst unmittelbaren Umgebung zu beschaffen, bei der Klimatisierung möglichst kein Kohlendioxid zu produzieren und der Versuch die graue Energie so stark zu reduzieren wie möglich. Das Waldhotel Health & Medical Excellence wird sich mitunter daran messen müssen, ob diesen Prämissen im Betrieb und beim Unterhalt nachgelebt werden kann.

 

> Auf dem Bürgenstock schwingt auch ein Hauch American Dream mit.

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