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Brutalistische Spielplätze in Zuckerfarben

Keine andere Tendenz des 20. Jahrhunderts ist so umstritten wie der Brutalismus. Heute wird die kraftvolle und expressive Architektur wegen ihren sozialen Ansätzen wiederentdeckt. Diesen Trend nimmt die Ausstellung The Brutalist Playground im Vitra Design Museum in Weil auf und macht gesellschaftliche Ideen der Britischen Brutalisten in nachgestellten Architekturen erlebbar.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 11.1.2017

Die internationale Strömung des Brutalismus wird aktuell wiederentdeckt und diskutiert. Architekten, Historiker und Denkmalschützer revidieren derzeit die oberflächliche Rezeption, die den Brutalismus meist als unmenschlich und grobschlächtig aburteilt. Besonderes Interesse wecken die sozialen Prinzipien, nach denen viele Grosssiedlungen gestaltet wurden. In die unterschiedlich gross angelegten Wohnungstypen sollte eine durchmischte Gesellschaft einziehen und der gestaltete öffentliche Freiraum soziale Beziehungen fördern.

Die Schau im Vitra Design Museum wird einige der ursprünglichen Konzepte dieser Architektur räumlich wieder erlebbar machen und möchte damit eine unverfälschte Sicht auf die brutalistische Architektur ermöglichen. Als Aushängeschild wählten die Kuratoren die teils eigenwillig gestalteten Kinderspielplätzen grosser Beton-Siedlungen Englands – Hybride aus Installationen und begehbareren Skulpturen für Erwachsene und Kinder. Das Architekturkollektiv Assemble und der Künstler Simon Terrill nutzten für die Rekonstruktion der mitunter zerstörten playgrounds Archivmaterial des Royal Institute of British Architects (RIBA). Sie laden alle Museumsbesucher ein, die neuinterpretierten, farblich versüssten brustalistischen Architekturen und surrealen Spiellandschaften zu erkunden.

 

Die Ausstellung stammt vom Royal Institute of British Architects (RIBA). An der Eröffnung am 13.1.2017 werden alle Beteiligten anwesend sein und durch die Ausstellung führen. Die Schau ist vom 14.1–16.4.2017 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.

 

> archithese bestätigt das Revival der Tendenz in ihrem Beitrag Mehr Feingefühl für den Brutalismus zur Internationalen Brutalismus-Konferenz, die 2012 in Berlin stattfand.

> Es gibt sogar eine Facebook-Gruppe «The Brutalism Appreciation Society». Ihre 25 700 Mitgliedern bezeugen, dass brutalististische Architekturen eine wachsende Fangemeinde haben.

> #SOS Brutalism. Kann das Brutalismus-Revival herausragende Bauten der 1970er-Jahre retten? 
Eine Online-Datenbank und eine Ausstellung im DAM in Frankfurt legen sich ins Zeug.

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