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Brasilien in Basel

Am Basler Hafen liegt ein bisher wenig beachteter Kunstraum: Die Kulturstiftung Brasilea zeigt dort Werke brasilianischer Künstler in der Schweizer Kunstmetropole.

 

Text: Leonie Charlotte Wagner – 2. Juli 2019

 

Kunst statt Schiffsmotoren
Die Stiftung Brasilea wurde 2003 gegründet und basiert auf der Sammlung Walter Wütherichs, der insbesondere Kunst des österreichisch-brasilianischen Künstler Franz Josef Widmar sammelte. Derzeit zeigt die Kulturstiftung wechselnde Ausstellungen von überwiegend zeitgenössischen brasilianischen Künstlern, darunter abstrakt-minimalistische Werke von Manfredo de Souzanetto oder auch Objekte der Eco-Art Künstlerin Christina Oiticica.
Brasilea befindet sich in einem ehemaligen Werkstattgebäude der Rheinschiffahrt, in unmittelbarer Wassernähe. Auch nach der Sanierung durch das Büro Fischerart 2004–2005 blieb der industrielle Charakter des containerförmigen Baus erhalten. Alle Materialen sind einfach und roh: Ein Stahlbetonsockel trägt den neu verkleideten Aufbau aus grünen transluzenten Glasfaserkunststoff-Lichtwellenplatten, die das Licht vielfach reflektieren. Die Fassade ist Hafenseitig geschlossen und öffnet sich in Richtung Wasser mit Bandfenstern. Das letzte Geschoss bildet eine grosszügige Dachterrasse aus, von der man einen weiten Blick über das Dreiländereck geniessen kann. Die Grundrisse sind offen und flexibel: Die Ausstellungswände werden heute mit einem noch aus der Werkstattzeit stammenden Kran verschoben. 

  

Ein Tonne Nylon 
Zum 15-jähringen Jubiläum zeigte die Brasilea bis zur ArtBasel die Ausstellung Ape Collected. Zu sehen waren Werke diverser Künstler. Darunter stachen die surrealen Skulpturen Armarinhos Teixeira besonders hervor. Er verarbeitet industrielle Rohmaterialien, hier Nylon Cord aus der Reifenproduktion, zu circa 20 Kunstwerken. Die hauchdünnen Nylonfäden wurden mit höchster Präzision zu überdimensionalen Objekten gewickelt. In den Ausstellungsräumen begegnete man Skulpturen, die an vergrösserte Fragmente feiner Glatthaarfrisuren erinnern. Die handwerklich beeindruckend fein gearbeiteten und präzisen Werke knüpfen lose Verbindungen zu Realem: Teilweise scheinen die rostbraunen Kunstwerke Innereien abzubilden, an anderer Stelle glaubte man Schrauben oder Mönchskutten zu entdecken. Die Werke luden zum freien Assoziieren ein. 

  

Polyeder im Polyeder
Für die parallel gezeigte Sonderausstellung Impressões arbeitete die Schweizer Keramikfirma Laufen ebenfalls mit brasilianischen Künstlerinnen zusammen. Laufen kooperierte in diesem Jahr mit der Stiftung Brasilea, um ein Kunst mit innovativen Materialversuchen zu kombinieren. Der Keramikproduzent stellte erstmals ein Polyeder aus SaphirKeramik her, der von verschiedenen Künstlern als «Leinwand» genutzt wurde. Die neuartige Keramik ist dünner, definierter und äusserst robust. Sie verdankt ihre besonderen Eigenschaften der Beimischung des Minerals Korund, einem farblosen Bestandteil des Saphirs. Seit ihrer Einführung im Jahr 2013 werden Produkte aus dem Material gerne von Architekten, Badplaner und Badnutzer eingesetzt. Zum einen ermöglicht es eine neue filigranere Formensprache, zum anderen ist der Material- und Energieaufwand geringer und daher ein ökologischer Vorteil gegenüber herkömmlicher Keramik. Der in Berlin und São Paulo lebende Künstler Alex Flemming projizierte smaragdgrüne Badezimmerkacheln auf den Polyeder. Durch den Aufdruck einer räumlichen Zeichnung auf einen drei-dimensionalen Körper entsteht eine optische Täuschung, von der man seinen Blick nicht so schnell wieder losbekommt. Es schwirren einem die Augen vor Polyedern im Polyeder. Die von Flemming und anderen Künstlerinnen gestalteten Objekte waren auf der ArtBasel bei den Satellites der Design Basel / Miami 2019 ausgestellt. 

  
Die Ausstellung Impressões ist bis zum 29. August 2019 in der Stiftung Brasliea in der Westquaistrasse 39 in Basel zu sehen. Sie ist mittwochs und freitags von 14–18 Uhr, sowie donnerstags von 14–20 Uhr geöffnet. 
Am 24. Oktober 2019 findet die Vernissage der Ausstellung über Angela Lima in der Stiftung Brasilea statt. 

 

> Noch mehr Programm für den Sommer: archithese empfiehlt einen Abstecher in das Kirchner Museum Davos. 

> Im Rahmen der Design Basel / Miami 2017 wurden siebzehn Skulpturen gezeigt, welche die Geschichte der Keramikherstellung versinnbildlichten. 

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