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Blasen, Wolken, Träume

Organisch geformte Maisons bulles, seriell gefertigte Kunststoffhäuser, Stadtstrukturen für morgen: Die Vielfalt architektonischen Experimenten in der Zeit um 1970 in der Schweiz ist aufgrund der nachfolgenden pragmatischeren Jahrzehnte in Vergessenheit geraten und harrt zum Teil noch der Wiederentdeckung.

 

Text: Hubertus Adam – 12.9.2021

 

Auch in der Schweiz existierte eine Tradition der visionären und organischen Architektur, die man als Reaktion auf die Krise der Spätmoderne und den Niedergang der CIAM verstehen kann. Zeitgleich waren um 1960 die Architektur des Expressionismus und andere Strömungen einer phantastischen Architektur des 20. Jahrhunderts (wieder)entdeckt worden. Zu den wichtigen Protagonisten zählte der in Biel geborene Pascal Haüsermann (1936–2011), der 1959-61 in Grilly (Ain) für seinen Vater seine erste maison bulle realisierte, bei der Beton ohne Schalung auf ein metallenes Gitterwerk aufgebracht wurde. Diesem frühen Versuch sollten gemeinsam mit seiner Frau Claude Costy eine ganze Reihe weiterer folgen, darunter das Hotel L’eau vive in Raon l’Etape in den Vogesen (1967) oder die vom Paar selbst bewohnte Villa La Ruine in Minzier (Haute-Savoie) südlich von Genf; neben Beton experimentierten sie auch mit Kunststoff. 1966 wurden beide Mitglieder der im Vorjahr von dem Architekturkritiker Michel Ragon gegründeten und bis 1970 bestehenden Groupe international d’architecture prospective (GIAP), der auch Yona Friedman, Ionel Schein, Walter Jonas, und die ebenfalls mit blasenförmigen Häusern befassten Pierre Székely, Jean-Louis Chanéac und Antti Lovag angehörten. Haüsermann, Costy, Chanéac und Lovag gründeten 1971 Habitat évolutif. Jacques Miguet, der architekturbegeisterte Bürgermeister des französischen Douvaine bei Genf und ebenfalls Mitglied der Organisation, beauftragte Haüsermann und Costy mit einer ganzen Reihe öffentlicher Bauten, die in den 1970er-Jahren realisiert wurden. Mehr zu der experimentellen Architektur der 1970er-Jahren findest Du in unserer aktuellen Ausgabe Umbrüche.

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> Bei dem Projekt Tangible Utopias der Universität Innsbruck zieht Elias Baumgarten Parallelen zu Coop Himmelb(l)aus Experimenten in den 1960er- und 1970er Jahren.

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