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Bizarr

Ende Oktober 2018 schien alles klar: Henn Architekten und Rainer Schmidt würden das Kulturzentrum Gasteig in München-Haidhausen umbauen – so dachte man nach Abschluss von Realisierungswettbewerb und Verhandlungsverfahren jedenfalls. Doch nun die Wende: Die unterlegenen Arbeitsgemeinschaften aus Auer Weber und Graber Huber Lipp beziehungsweise Wulf Architekten, Club 94 und Theapro haben erfolgreich geklagt und die Sieger sind den Auftrag – vorerst – wieder los.

 

Text: Elias Baumgarten – 23.1.2019

 

Unversöhnlich Positionen und Drohungen
2018 machte die Generalsanierung des Kulturzentrums Gasteigs Schlagzeilen. Zunächst endete der Wettbewerb im Mai mit einem Patt: Die Teams aus Henn Architekten und Rainer Schmidt, Auer Weber und Graber Huber Lipp, sowie Wulf Architekten, Club 94 und Theapro teilten sich das oberste Treppchen des Siegerpodests. Die Jury wagte keinen eindeutigen Entscheid. Weil gemäss aller drei Entwürfe der Gasteig stark überformt würde, drohten zwei der vier Architekten des Altbaus – Günter Grossmann und Eike Rollenhagen – mit einer Klage und übergaben Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Protestschrift. Dies war möglich, weil die beiden noch immer die Urheberrechte am Bau halten. Sie forderten eine Überarbeitung der Entwürfe – andernfalls würde sie gegen den Umbau vor Gericht ziehen. Am 12. Oktober wurde dann hinter verschlossenen Türen in einem Verhandlungsverfahren entschieden: Henn Architekten und Rainer Schmidt sollen den Gasteig sanieren. Am 24. Oktober bestätigte der Stadtrat diese Entscheidung. Das Problem: Schon im Vorfeld munkelte man in der Lokalpresse, die Entscheidung sei keine Wahl sondern eine Zugeständnis an die Grossmann und Rollenhagen. Diese hatten durchblicken lassen, mit dem Entwurf von Henn und Schmidt leben zu können und im Fall seiner Verwirklichung von einer Klage abzusehen. Die beiden unterlegenen Büros witterten einen Verstoss gegen das Vergaberecht und reichten Klage ein. Mit Erfolg, denn das Verhandlungsverfahren muss nun wiederholt werden.

 

Die Farce geht weiter.
Es scheint unwahrscheinlich, dass eine Wiederholung des Verhandlungsverfahrens zu einem anderen Ergebnis führen wird. Das wäre auch nicht wünschenswert, da der Entwurf von Henn Architekten und Rainer Schmidt im Gegensatz zu den beiden Alternativen wenigstens ein Grundmass an Wertschätzung für den Bestand zeigt.
Leider fehlt es allen Entwürfen der drei Streitparteien an Qualität. Sie würden Gasteig allesamt völlig überformen, statt den in die Jahre gekommenen Bau aus 1985 (wie im Wettbewerb gefordert) fit für die Zukunft zu machen. Es wäre besser, die Pläne komplett in der Schublade verschwinden zu lassen und von Null zu beginnen. 

 

> Alles zur Entscheidung des ersten Verhandlungsverfahrens am 24. Oktober 2018.

> Muck Petzet kritisiert den sorglosen Umgang mit Münchens Altbauten aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren. Lesen Sie seinen Kommentar in der E-Version von archithese3.2018 Bayern.

 > Petzet protestierte am 25. Oktober 2018 im Rahmen des Kurzvortragsabends Fresh Bavariateil gegen den Abriss der Osram Hauptverwaltung. Lassen Sie den Abend als Film Revue passieren.

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