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Versinkt das Atlantis erneut?

Sein Name verleiht dem Hotel Atlantis in Zürich eine Aura von Glanz und Grösse, scheint aber auch sein Fluch zu sein: Nachdem eine Investorengruppe aus Kater vor wenigen Jahren das Hotel aufwändig sanieren liess, soll es nun wegen der geringen Auslastung bereits erneut verkauft werden. Wird das Hotel Atlantis – gleich dem sagenhaften Kontinent – erneut im Ozean gescheiterter Hotelkonzepte versinken?


Text: Jørg Himmelreich – 7.9.2019
Fotos © Giardino Group

 


Abwechslungsreiche Geschichte
Das Hotel Atlantis wurde in den späten 1960er-Jahren von den Architektinnen Hans und Annemarie Hubacher und Peter Issler entworfen und 1970 eröffnet. Lange wurde es von der Sheraton Gruppe geführt. Anfang der 2000er-Jahre wurde es – in die Jahre gekommen und bei Gästen zunehmen unbeliebt – geschlossen und fand dann weitere Nutzungen als Flüchtlingszentrum, war besetzt und eine Weile ein Studierendenwohnheim. Danach war angedacht es in Luxusappartments zu verwandeln. Dieser Plan wurde jedoch fallengelassen. Im Jahr 2012 kaufte dann eine Investorengruppe aus Katar das Haus und investierte 240 Millionen CHF.

 

Auf- und Untergänge
Die Investoren rund um den gestürzten Emir Khalifa bin Hamad Al Thani entschieden, das Atlantis wieder in ein luxuriöses Hotel zu verwandeln. Die Architektur stammt aus der Feder 2012 von Monoplan. Sie verkleideten den Bau mit grossen Fertigelementen, deren Struktur eine Vergrösserung der ursprünglichen Sichtbetonstruktur darstellen soll. Der vierstöckige Bau hat ein flaches Dach und ist ein dreiflügeliger Körper in Form eines Ypsylons. Gelegen am Hang des Uetlibergs schweift der Blick über die Stadt und den See. Die Lage auf der Schattenseite des Tals mag als Nachteil empfunden werden. Die Nähe zum Wald ist jedoch ein grosses Plus. Im Sommer strömt angenehm kühle Luft herbei und mach den Aufenthalt dort wesentlich angenehmer als in der Stadt, die sich an vielen Stellen in den immer heisseren Sommern stark erhitzt. 

 

Bitz of Glitz
Die oberste Etage wurde so konzipiert, dass sie sowohl vom gestürzte Emir von Katar und seine Familie privat genutzt, als auch von anderen Gästen gemietet werden kann. Sie misst 2 000 Quadratmetern und hat acht Schlafzimmer. Sie ist in einem neoklassizistischen Stil gehalten. Die meisten Möbel sind vergoldet. Wegen der Suite gab es
 Konflikte mit den Behörden. Denn wäre sie dem Scheich alleine vorbehalten gewesen, hätte sie gegen die Lex Koller verstossen, gemäss der ausländische Staatsbürger im Kanton Zürich keine Wohnungen oder Häuser besitzen dürfen. So wird sie seit Eröffnung des Hotels auf dem Markt angeboten, aber wegen dem tägliche Mietpreis in Höhe des «Kaufpreises eines Wagens der oberen Mittelklasse» steht sie wohl gleich fast immer leer. Die Fertigstellung des Umbaus hatte sich auch deshalb mehrfach verzögert, weil das Staffelgeschoss höher ausgeführt worden ist, als es von den Behörden genehmigt worden war. Entsprechend musste das Dach – in der tieferen Lage noch einmal erstellt werden. Emir Khalifa bin Hamad Al Thani hat die Suite letzlich nie genutzt, da er bereits im Herbst 2016 verstarb.

 

Neue Innenwelt
Ende 2015 wurde das Hotel wiedereröffnet. Ein üppiges, elegantes zeitgemässes Hoteldesign mildert die ursprüngliche Strenge des modernen Baus. Im Zentrum, wo sich die drei Flügel treffen, gibt es eine wunderbare Spiraltreppe aus den 1970er-Jahren. Sie ist Denkmalgeschützt und wurde in das Untergeschoss verlängert. Zudem wurde ein Ballsaal angefügt, der auch für Meetings genutzt wird. Dazu wurde das alte Hallenbad entfernt und stattdessen ein SPA im Souterrain angelegt. Das Haus hat zwei Restaurants mit grossen Balkonen, von denen man den Blick auf die Stadt geniessen kann. Betrieben wird das Haus seit der Wiedereröffnung von der Giardino-Gruppe.

 

Wer möchte das Hotel kaufen?
Wie Bilanz meldete, soll das Objekt jedoch demnächst verkauft werden. Wahrscheinlich wird es im September angeboten. Als Kaufpreis sind 160 Millionen CHF im Gespräch. Es sind bereits zwei Angebote eingegangen, jedoch deutlich unter dieser gewünschten Summe. Wahrscheinlich hat der Verkauf mit der geringen Auslastung von etwa 40 Prozent zu tun. Der CEO des Atlantis – Philippe Frutiger dementiert diese Zahl jedoch. Wahrscheinlich ist, dass es ursprünglich auch gar nicht angestrebt war, eine hohe Auslastung zu erreichen, da das Atlantis ja im Wesentlichen als Residenz 
des gestürzten Emirs Khalifa bin Hamad Al Thani gedacht war. Dessen Erben haben scheinbar nicht vor, sich häufiger in Zürich aufzuhalten und sehen im Halten der «Privatresidenz in Hotelform» wohl keinen Sinn mehr.

 

> Stephan Trüby las in archithese 5.2011 Go West das Hotel Atlantis und seine vielen Leben als «Haus des Homo Sacer».

archithese hat dem Thema Hotelbauten eine ganze Ausgabe gewidmet.

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