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Art of Nexus

Japans Beitrag zur 15. Architekturbiennale in Venedig als Stimulus für den europäischen Architekturdiskurs

Arbeitslosigkeit, Auflösung traditioneller Familienstrukturen, soziale Isolation und eine immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich – diese Probleme prägen Japan in der derzeitigen wirtschaftlicher Rezession und stellen ArchitektInnen vor neue Herausforderungen. Der von Yoshiyuki Yamana kuratierte Beitrag des Inselstaates zur 15. Architekturbiennale in Venedig zeigt zwölf architektonische Antworten auf diese Problemstellungen – wir stellen drei von Ihnen kurz vor.

 

Text: Elias Baumgarten – 22.6.2016
Fotos: Jørg Himmelreich

Architektur für eine veränderte Demographie
Japans Biennale-Beitrag Art of Nexus thematisiert sozialen und ökonomischen Wandel anhand von zwölf Projekten, wobei es sich bei der Mehrheit um Sanierungen und Umbauten handelt, welche auf die Auflösung der traditionellen Kernfamilie als gesellschaftliche Institution reagieren. Mit WG-artigen Konfigurationen, die althergebrachte Wohntypologien ablösen und private Rückzugsräume mit sozialen Interaktionsflächen und sanften Übergangszonen verknüpfen, zeichnet sich dabei eine gemeinsame Stossrichtung der GestalterInnen ab. 

Wohngemeinschaft statt Familie
Beim Projekt House for Seven People von Mio Tsuneyama (Tokyo, 2013) wurde ein Einfamilienhaus mit integriertem Geschäft zur Wohnung für sieben Personen umgebaut. Es entstanden ebensoviele kleine Appartements und aus den Geschäftsflächen wurde ein grosses «Wohnzimmer» für alle. Die Flure dienen nun als Übergangszonen zwischen Privatheit und Gemeinschaftsraum.

 

Kampf der sozialen Isolation!
Osamu Nishida und Erika Nakagawa adressieren mit ihrer Arbeit Yokohama Apartments (Yokohama, 2009) die soziale Isolation und Vereinsamung vieler Japaner. Dazu wird eine Assemblage von kleinen Apartments auf vier Stützen mit je dreieckigem Grundriss empor gehoben, so dass darunter ein «Semi-Outdoor-Space» freigespielt wird, den die Architekten als «Wohnzimmer» für alle meinen, das zum umgebenden Stadtraum hin offen ist. Treppen verbinden die Wohnungen mit diesem Raum und dienen als Transformatoren zwischen privatem Rückzugsort und sozialer Interaktionsfläche. Durch diesen Aufbau muss der Gemeinschaftsraum täglich passiert werden – die Gestalter versuchen so zu sichern, dass er wirklich genutzt und bespielt wird.

 

Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaftserlebnis an einem Ort
Apartments with Small Restaurant vom Büro Naka Architects` Studio (Tokyo, 2014) vermengt auf einem Grundstück, welches an eine Geschäftstrasse grenzt, Wohnen, Arbeiten, Freizeitgestaltung und soziale Interaktion in einem Gebäude. Dazu wurden kleine «Sohos» (small office / home office) als kombinierte Wohn- und Arbeitsräume geschaffen und um Restaurant und Café gruppiert. Gänge und Balkone wurden wiederum als Schwellen zwischen Privatheit und Gemeinschaft, zwischen Arbeit und Freizeit gestaltet.

 

Vergleichbare gesellschaftliche Problemstellungen
Die gezeigten neuen Wohnmodelle sind relevant für den europäischen Architekturdiskurs, denn auch hier fordern ähnliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen neue architektonische Konzepte. Ein Vergleich zu den Clusterwohnungen, welche in den letzten Jahren in der Schweiz vielfach enstanden sind, drängt sich auf. Die realitätsnahe Auseinandersetzung und die liebevoll detaillierten grossen Modelle verleihen Japans Beitrag eine stimulierende und inspirierende Wirkung.

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