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Apolitische Studierende?

Ein Bericht von den Masterprüfungen am Departement Architektur der Universität Innsbruck

 

Text & Fotos: Elias Baumgarten – 22.3.2016

Ein schwimmendes Museum für Science Fiction Filme und Literatur (Ceryl Konrath), ein wandelbares Hotel als Nachverdichtung für Berliner Blockrandbebauung (Markus Gerstgrasser), die Nutzung von Leerstand als temporärer Wohnraum (Rita Maria Slodicka), der Versuch einer Anwendung des Sharing-Prinzips im Wohnbau (Christof Kuntschik) oder eine Kombination aus Kletterwand und Hostel (Ilga Barbara Ripke) – die 27 Masterarbeiten, die vergangene Woche an der Universität Innsbruck präsentiert wurden, waren dank traditionell gänzlich eigenverantwortlicher Themenwahl der Studierenden sehr unterschiedlich. Die breite Spanne reichte von klassischen Entwurfsaufgaben und soziopolitisch engagierten Projekten bis hin zu reinen Theoriearbeiten und zeigte das positive Potential freier Thesis-Arbeiten.

Bei all der Vielfalt schälten sich Nachverdichtung und intelligenten Nutzung immer knapperen städtischen Raums als Metathema heraus – hier ist etwa das «Hotel Industriel» von Markus Gerstgrasser anzuführen, der sich entschied die freigelassene Ecke eines Berliner Blockrandes mit einem Hotel zu füllen, das mit seinen adaptierbaren Räumen verschiedenen Funktionen offensteht. Während der Verteidigung seiner Arbeit machte Gerstgrasser deutlich, dass der Standort zur Nachverdichtung bewusst gewählt sei, weil er in seiner Umgebung ausreichend Freiflächen ausgemacht habe; vor allem aber habe er im Erdgeschoss Flächen freigespielt, um den Innenhof trotz Lückenschluss frei zugänglich zu halten. Dies darf als Niederschlag eines aktuellen Trends zur Übernahme sozialer Verantwortung gewertet werden, der auch in den Diskussionen während eines Symposiums zur Zukunft der Architekturausbildung am 4. März in Luzern an den Äusserungen vieler Referenten und besonders an Stefan Kuraths abschliessenden Statement spürbar war. Der in Luzern häufig erhobene Vorwurf, die Studierenden seien sich heute ihrer sozialen Verantwortung nicht bewusst, trifft in seiner Allgemeinheit nicht zu.

Für die Redaktion, die gerade am nächsten Heft über die Zukunft der Architekturausbildung arbeitet, war die Reise ins Nachbarland erfrischend und aufschlussreich. Die freien Thesis-Arbeiten, über deren Für und Wider in der Schweiz gerade debattiert wird, konnten als Instrument zur Sensibilisierung der Studierenden für gesellschaftliche Fragen überzeugen.

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archithese 2.2016

Bildungslandschaften


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